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«Qualitativ grenzwertig»

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat unter «Magenschonend veredelt?» Minderwertig! einen ausgezeichneten Hintergrundartikel über das Kaffeegeschäft und über Unterschiede zwischen Industrie- und Spezialitätenkaffees veröffentlicht. Ein Auszug:

Dank tatkräftiger Unterstützung der Weltbank, dank der Mechanisierung und dank des anspruchslosen Massenträgers Robusta haben die Vietnamesen ihr traditionelles Teeland zum zweitgrößten Kaffeeproduzenten der Welt gemacht - und den Kaffeemarkt mit unschlagbar niedrigen Preisen aufgemischt. Ihr qualitativ grenzwertiger Rohkaffee enthält auch unreife Bohnen, weil eine Selektion viel zu teuer wäre. Mit der Ware aus Asien füllen die großen Röster ihre Markenkaffees auf, um den Preis zu halten. Doch vietnamesischer Robusta ist reich an aggressiven Chlorogensäuren und wenig attraktiven Aromen. Um ihn trotzdem verwenden zu können, werden vor dem Rösten Säure und Aromen entzogen und den Blends bis zu 25 Prozent dieser weitgehend geschmacksneutralisierten Bohnen als Füllkaffee untergemischt. „Magenschonend veredelt“ heißt das in der Werbesprache. Solch minderwertigen Kaffee erkennt man an einem Test: Den Kaffee aufbrühen und erkalten lassen. Er verliert seine Farbe, wird grau und riecht nach nasser Pappe.

«Der Preis der Bohne»

Das weltweite Handelsvolumen für Kaffee beträgt pro Jahr rund 60 Milliarden Dollar. Von den gewaltigen Umsätzen des Kaffeehandels profitierten die Kaffeepflanzer in der Vergangenheit aber nur bedingt. Über die Mechanismen der Kaffeemärkte haben wir in einem früheren Beitrag geschrieben. Eine interessante Episode in der Geschichte der Kaffeehandels ist das internationale Kaffeeabkommen, das zwischen 1963 bis in die achziger Jahre Kaffeepreise und Exportquoten regulierte. Die Seite wdr.de schreibt im Artikel «Der Preis der Bohne» darüber:

Aufgeschreckt durch die Machtübernahme Fidel Castros auf Kuba fürchten vor allem die USA, dass der schwankende Kaffeepreis und die damit verbundene Verarmung der Kaffeebauern immer mehr Menschen in die Arme des Kommunismus treibt. Sie drängen auf ein internationales Kaffeeabkommen, das ein Überangebot und drohende Kaffeekrisen auf dem Weltmarkt endgültig verhindern soll. Am 27. Dezember 1963 tritt es in Kraft. Unterzeichnet wird es von 44 Export- und 18 Importländern, die sich auf Mindestpreise und Exportquoten einigen.

Bis in die achtziger Jahre hinein funktioniert die Regulierung durch das Abkommen. Dann aber drängen neue Exportländer wie Vietnam auf den Markt, die ihre Preise am Abkommen vorbei festlegen können.

Moema Espresso zwei Jahre nach der Gründung

Im Welt-Online-Artikel «Fair gehandelter Espresso: Traum vom grossen Geschäft» sprechen heute die drei Jungunternehmer hinter dem brasiliansichen Kaffee-Geheimtipp Moema Espresso über die Gründungsjahre und Zukunftsperspektiven ihres Unternehmens:

(..) Denn obwohl die Edel-Espressobohnen der Berliner Firma schon weltweit viele Fans haben - etwa den russischen Milliardär Roman Abramovich, den brasilianischen Kulturminister Gilberto Gil und immer mehr Gastronomen - fehlt es bislang an der Manpower für den Vertrieb. Aktuell beschäftigt Moema nur vier feste und zwölf freie Mitarbeiter an den beiden Standorten in Deutschland und Brasilien, für mehr fehlt das Kapital. Daher verhandeln die Nachwuchsunternehmer nun mit Investoren. "Viele Investoren sind auf uns zugekommen, weil sie unser Konzept spannend finden", sagt Taner.

Deutsche Kaffeehersteller unter Kartellverdacht

Das deutsche Kartellamt hat bei führenden Kaffeeherstellern Durchsuchungen durchgeführt. Der Verdacht: Seit 2004 soll es zu illegalen Preisabsprachen gekommen sein. Die Ermittlungen richten sich unter anderem gegen Tchibo und Dallmayr. Die Hamburger Morgenpost schreibt:

"Ja, wir wurden befragt", bestätigt Tchibo-Sprecher Klaus-Peter Nebel die unangekündigten Gäste. Einer der deutschen Mitbewerber sei wegen Preisabsprachen angezeigt worden. "Da man Absprachen nicht mit sich selbst trifft, werden nun die Konkurrenten befragt", so Nebel.

Und die Financial Times Deutschland ergänzt:

Nach FTD-Informationen hat ein betroffener Kaffeehersteller die Kronzeugenregelung genutzt und sich selbst beim Kartellamt bezichtigt - in der Hoffnung auf eine geringere oder gar keine Strafe.

Rohkaffee-Preise auf Rekordniveau

Die Rohkaffee-Preise sind auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Im März kletterte der durchschnittliche Rohkaffeepreis bis auf 152 US-Cent/Pfund, zur Zeit liegt der Preis laut Zahlen der International Coffee Organisation bei rund 125 US-Cent/Pfund.

Seit 2004 (durchschnittlicher Rohkaffeepreis im März: 60.80 US-Cent/Pfund) haben sich die Preise mehr als verdoppelt. Der österreichische Standard nennt als Gründe Spekulation, ein weltweit steigender Bedarf und sinkende Erträge durch Missernten:

Kaffee ist zu Spekulationsgut geworden. Der Bedarf steigt weltweit, vor allem China und Indien sind auf den Geschmack gekommen. In großen Anbauländern sinken allerdings nach Missernten die Erträge. Dünger hat sich stark verteuert und wird sparsamer eingesetzt, was die Ausbeute zusätzlich schmälert. International gingen die Exporte zuletzt um acht Prozent zurück.

Rasantes Wachstum für Kaffee-Spezialitäten

Der deutsche Kaffeeverband hat über die Entwicklung des Kaffeekonsums im vergangenen Jahr informiert («Kaffeemarkt 2007 stabil»). Insgesamt hat sich der Konsum auf dem Niveau des Vorjahres bewegt. Jeder Deutsche hat im Jahr 2007 durchschnittlich 146 Liter Kaffee getrunken.

Rasant entwickelt hat sich das so genannte Speciality Coffee-Segment, zu dem alle Espresso- und Café Crème-Röstungen hoher Qualität gezählt werden. Im Vergleich zum Vorjahr konnte das Spezialitäten-Segment ein Plus von 20 Prozent verzeichnet. Noch besser schnitten mit einem sagenhaften Wachstum von 50 Prozent nur die Einzelportionen- und Kapselsysteme ab.

Mit dem Filterkaffee bleibt in Deutschland aber ein Klassiker das beliebteste Kaffeegetränk. Im Haushaltssegment hat der Filterkaffee einen Marktanteil von rund 80 Prozent.

Illy Triest: Leader unter den Spezialitätenröstern

Die Firma Illy aus Triest gilt als Weltmarktführer in der Nische der Spezialitätenkaffees. Pro Jahr setzt Illy 270 Millionen Euro um. Die Welt am Sonntag hat gestern ein Gespräch mit dem Illy-Geschäftsführer Andrea Illy geführt.

Zu seinen Konsumenten nördlich der Alpen sagt Illy:

In Norditalien sind Sie Marktführer, in Deutschland ein Nischenanbieter mit einem halben Prozent Marktanteil im Einzelhandel. Wie läuft es jenseits der Alpen?

Andrea Illy: Es läuft gut, sehr gut. Für uns jedenfalls - es ist nicht der Markt, der uns Rückenwind gibt, der ist ein wenig flach. Deutschland hat zwar nicht den Ruf, besonders an Weingastronomie interessiert zu sein, aber beim Kaffee achten die Deutschen auf Qualität: Die Deutschen waren immer die besten Käufer.

Und heute kaufen sie am liebsten beim Discounter.

Andrea Illy: Zwischendurch ja, Kaffee war zum Gebrauchsgut geworden - die Herkunft, die Mischungen, alles war egal für den Verbraucher. Aber Illys Präsenz in Deutschland scheint eine Antwort auf die Nachfrage nach Qualität zu sein, die nicht mehr befriedigt. Wir sind zuletzt um die 15 Prozent oder mehr gewachsen, und wir können zwei- oder dreimal so viel Marktanteil gewinnen. Wir sind gut positioniert, und es ist eine sehr bewusste Entscheidung, dass es Illy nicht beim Discounter gibt.

Interessant auch Illys Bewertung des hohen Preisniveaus von Rohkaffee:

Geben Sie die jüngsten Preiserhöhungen für Rohkaffee weiter?

Adrea Illy: Wir hatten marginale Erhöhungen von einigen Prozent. Aber es ist eine gute Sache, dass der Kaffeepreis endlich auf einem Niveau ist, der sich für die Herstellerländer lohnt. Als der Preis bei 60 Cent pro Pfund war, war er unter Herstellungspreis. Jetzt ist er bei 120 Cent und damit endlich auch rentabel für die Erzeuger.

Robusta-Kaffee auf 10-Jahreshoch

Laut einer Meldung von Finanzen.net ist der Preis für Robusta-Kaffee gestern auf den höchsten Stand seit zehn Jahren geklettert:

Grund für den Preisanstieg ist der Taifun Peipah, der Kurs auf die Küste von Vietnam hält und noch in dieser Woche die südliche Küste des Landes erreichen soll. Die vietnamesiche Kaffeeorganisation sagte heute, dass die Regenfälle die Ernte noch um eine oder zwei weitere Wochen verzögern wird.

Innerhalb eines Jahres sind die Preise für Robusta-Kaffee jetzt um 45 Prozent gestiegen.

Weitere Beiträge zur Entwicklung der Kaffee-Preise:

Kaffee-Märkte: Steigende Preise
Zusammensetzung des Kaffee-Preises
Kaffee-Preis steigt weiter
Kaffeemärkte

Kaffee - meine grosse Liebe

«Kaffee - meine grosse Liebe» ist das Motto des diesjährigen Tages des Kaffees. Die deutsche Kaffee-Branche feiert immer am letzten Freitag im September das beliebteste Getränk Deutschlands mit einem eigenen «Feiertag».

Aus diesem Anlass hat das Portal EpochTimes heute einen Artikel über das schwarze Getränk veröffentlicht. Schön zusammen gefasst ist im Text eine der kursierenden Kaffee-Entdeckungslegenden:

In einer Legende über den Kaffee wird davon berichtet, dass einige Ziegen im Jemen, die sich von ihrer Herde entfernt und von den Blättern und roten Früchten gefressen hatten, ungewöhnlich aufgeweckt waren, als die Hirten sie wieder fanden. Die Hirten erzählten von dieser Begebenheit den Mönchen des Klosters Chehodet, die sich für die Sträucher zu interessieren begannen. Als sie einen Aufguss des Getränkes aus Beeren und Blättern der Pflanzen schließlich selbst einmal kosteten, stellten sie einen ähnlichen Zustand der Angeregtheit wie bei den Tieren fest. Sie tranken seither jeden Tag dieses Getränk, um ihre Gebete bis spät in die Nacht hinein ausdehnen zu können. Dies war aber noch nicht alles. Denn als ein Mönch eines Tages mit Beeren behangene Zweige ans Feuer legte, verströmte dabei ein feiner Duft in der Luft. Die Mönche waren über diesen Duft sehr erstaunt, sodass einer von ihnen die Bohnen nahm und auf einem Stein zerrieb. Dieses gewonnene Pulver gossen sie auf und bemerkten, dass das so zubereitete Getränk sehr viel besser schmeckte und die Eigenschaften dennoch beibehalten wurden.

Kaffee-Märkte: Steigende Preise

Die Preise für Rohkaffee steigen weiter von Hoch zu Hoch. Der Österreichische Kaffeeverband hat jetzt eine Eröhung der Kaffee-Endpreise angekündigt. Die Preiserhöhung vollzieht die dramatischen Preisentwicklungen auf dem Weltmarkt nach. Der Standard.at streibt Im Artikel Kaffee wird teurer:

Die Preise für Robusta sind mittlerweile auf den höchsten Stand seit dem Jahr 1998 gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitpunkt lag er um 70 Prozent höher. Getrieben wurde der Preis dabei vor allem durch Liefer-Ausfälle aus Vietnam. Das asiatische Land ist das zweitgrößte Kaffee-Anbau-Land der Welt. Zudem war in europäischen Häfen immer wieder Kaffee aus Vietnam eingetroffen, der von schlechter Qualität war. Die Engpässe sorgten auch für einen Preisanstieg bei Arabica-Bohnen. Sie stammen vor allem aus Brasilien, dem weltgrößten Kaffee-Produzenten.

Der zweite wichtige Faktor für die steigenden Preise ist eine kontinuierlich zunehmende Nachfrage:

Unterdessen steigt die globale Nachfrage nach Kaffee kontinuierlich an. Im Jahr 2005 wurden weltweit 115 Millionen Sack Kaffee verbraucht, 2006 stieg die Konsumation auf 116 Millionen und wird aller Voraussicht nach heuer auf 120 Millionen Sack ansteigen. Weltweit lag laut International Coffee Organisation die Rohkaffee-Produktion bei 122 Millionen Sack, wovon 42,5 Millionen Sack auf Brasilien entfielen. Etwa zwei Drittel der Weltkaffee-Produktion sind Arabica-Sorten, ein Drittel entfällt auf Robusta.

Auf der Messe "Alles für den Gast Wien" haben Kaffee-Experten über die Preisentwicklung diskutiert. Eine Zusammenfassung der Diskussion kann in einem Artikel auf der Seite Cafejournal.at nachgelesen werden. Interessant die Stellungnahme von Jeannette Meinl-Skrbensky der rennomierten Kaffeerösterei Meinl:

Wir haben beim Rohkaffee-Einkauf, für den ich bei der Firma Meinl verantwortlich bin, seit November 2006 eine Preissteigerung von 20 bis 30 Prozent erfahren. Da dies 80 Prozent unserer Produktionskosten ausmacht, wird es für uns schwer, dies zu schlucken. Wir werden die Preissteigerungen an unsere Gastronomen weitergeben müssen. [..]

Der Robusta hat eine noch größere Preissteigerung erfahren als der Arabica, obwohl es eine relativ gute Ernte gab. Ich glaube, hier werden die Preise künstlich hoch gehalten; aber wenn wir die höheren Rohkaffee-Preise akzeptieren, unterstützen wir die Kaffeebauern in den Entwicklungsländern und sorgen für ein soziales Gleichgewicht.
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